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Schüttzeit: Brunft-Equipment

25.04.2026

Key Takeaways ✓ Die Rotwildbrunft findet von Mitte September bis Anfang Oktober statt und ist…

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Key Takeaways

  • Die Rotwildbrunft findet von Mitte September bis Anfang Oktober statt und ist die intensivste Phase im Leben eines Rothirsches, geprägt von Testosteronausschüttung und extremem Gewichtsverlust von bis zu 25 Prozent des Körpergewichts.
  • Ein gut geübter Hirschrufer ist das Kernelement der Brunftjagd-Ausrüstung, muss aber sparsam und von unterlegener Position aus eingesetzt werden, um den Platzhirsch nicht zu verscheuchen.
  • Hochwertige, lichtstarke Optik wie ein 8×56-Fernglas, Spektiv und Wärmebildkamera sind unverzichtbar, da die Brunft hauptsächlich in der Dämmerung und Nacht stattfindet.
  • Geräuschlose Tarnbekleidung in Softshell oder Fleece-Material, kombiniert mit dem Schichtprinzip aus Merino-Unterwäsche, Fleece und Außenschicht, sorgt für Wärme und absolute Lautlosigkeit beim Ansitz.
  • Revierkenntnis vor der Brunft durch Pirschgänge, Wildkameras und Beobachtung von Schüttgruben sowie frischen Berfegungszeichen ist essentiell für einen erfolgreichen und ethisch vertretbaren Abschuss.
  • Der Wind ist der entscheidendste Faktor bei der Brunftjagd: Rotwild verfügt über einen hervorragenden Geruchssinn und kann den Jäger auf mehrere hundert Meter wittern, weshalb nur bei optimalem Wind gejagt werden sollte.

Schüttzeit und Brunft-Equipment: So rüsten Sie sich für die Rotwildbrunft 2026

Wenn Mitte September die ersten Brunftschreie durch den herbstlichen Wald hallen und sich der König der Wälder in voller Pracht zeigt, beginnt für Rotwildjäger die aufregendste Phase des Jagdjahres – die Schüttzeit. Im Jagdjahr 2024/2025 wurden bundesweit nur noch 70.595 Stück Rotwild erlegt – das niedrigste Ergebnis seit der Saison 2011/2012 und rund 7 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig wird das Rotwild immer heimlicher. Wer in der Rotwildbrunft erfolgreich jagen will, braucht das richtige Brunft-Equipment.

Das Rotwild steht derzeit besonders im Fokus: Diskussionen um genetische Verarmung, Wanderkorridore und die Wahl zum Tier des Jahres 2026 durch die Deutsche Wildtier Stiftung rücken es ins öffentliche Bewusstsein. Gleichzeitig wird die Brunftjagd immer anspruchsvoller. Kaum eine Wildart ist so lernfähig wie das Rotwild – es gibt gesammelte Erfahrungen über Generationen hinweg weiter. Das richtige Equipment wird deshalb zum entscheidenden Faktor für jeden Jäger.

Mit der passenden Brunftjagd-Ausrüstung – vom Hirschrufer über die Optik bis zur Tarnbekleidung – steigern Jäger ihre Erfolgschancen während der Schüttzeit deutlich. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Ausrüstung für die Hirschjagd 2026 unverzichtbar ist, wann genau die Brunft stattfindet und welche Jagdzeiten aktuell gelten.

Doch bevor Sie Ihre Ausrüstung zusammenstellen, müssen Sie verstehen, was während der Schüttzeit biologisch passiert – und warum dieses Wissen Ihre Equipment-Wahl beeinflusst.

Was ist die Schüttzeit? – Biologie der Rotwildbrunft verstehen

Die Schüttzeit ist die Brunftphase des Rotwildes und findet in unseren Breitengraden von Mitte September bis Mitte Oktober statt. Sie dauert etwa zwei bis vier Wochen und gehört zu den intensivsten Phasen im Leben eines Rothirsches. Der Begriff leitet sich vom „Schütten“ ab – dem intensiven Wühlen, bei dem Hirsche mit Geweih und Vorderläufen Erdkuhlen aufwühlen, sich darin suhlen und ihr Revier markieren. Diese aufgewühlten Erdkuhlen, in die der Hirsch auch uriniert, nennt man Schüttgruben oder Brunftkuhlen.

Die Rotwildbrunft wird durch eine hormonelle Umstellung ausgelöst. Schon Ende August setzt bei den Rothirschen eine vermehrte Testosteronausschüttung ein, die sie zunehmend unruhig macht und die Feistzeit beendet. Die Feistzeit diente den Hirschen dazu, sich Fettreserven für die bevorstehende, kräftezehrende Brunft aufzubauen. Denn während der Brunft kann ein Hirsch bis zu 25 Prozent seines Körpergewichts verlieren – so intensiv ist diese Phase.

Nach dem Auflösen der Feisthirschrudel ziehen ältere Hirsche meist zielstrebig in Richtung ihrer angestammten Brunftplätze. Diese liegen oft weit entfernt von den Sommereinständen und befinden sich in den vom Kahlwild bevorzugten Einstandsgebieten. Kahlwild bezeichnet übrigens das weibliche Rotwild – also Hirschkühe und Kälber, alles was kein Geweih trägt. Die älteren Hirsche tragen zu Beginn der Brunft am Hals eine mächtige Brunftmähne, die sie beim Haarwechsel im Frühjahr wieder verlieren.

Auf dem Brunftplatz röhren die Hirsche – das sind die charakteristischen, weithin hörbaren Brunftschreie, mit denen ein paarungswilliger Hirsch seinen Anspruch auf den Brunftplatz kundtut und Rivalen herausfordert. Der sogenannte Platzhirsch beherrscht den Brunftplatz und hat das Vorrecht zur Paarung. Schwächere Hirsche versuchen immer wieder, ihn zu verdrängen.

In tieferen Lagen beginnt die Brunft etwas früher, im Gebirge oft erst Anfang Oktober. Der Verlauf hängt stark von der Witterung ab: Kalte, sternklare Nächte – manchmal sogar mit den ersten leichten Frösten – bürgen beim Rotwild geradezu für eine hohe Brunftaktivität. Je kälter die Nächte, desto intensiver das Brunftverhalten. Das hat direkte Folgen für die Equipment-Wahl: Wer in kalten Herbstnächten stundenlang am Brunftplatz ansitzt, braucht warme, aber absolut leise Bekleidung und eine leistungsfähige Optik für die Dämmerung.

Die wichtigsten Fachbegriffe auf einen Blick:

  • Schüttzeit – Die Brunftphase des Rotwildes (ca. Mitte September bis Mitte Oktober), benannt nach dem charakteristischen „Schütten“ – dem Wühlen mit Geweih und Vorderläufen
  • Brunft – Die Paarungszeit des Schalenwildes (beim Schwarzwild heißt sie „Rauschzeit“)
  • Röhren – Die weithin hörbaren Brunftschreie des Rothirsches auf dem Brunftplatz
  • Platzhirsch – Der Hirsch, der den Brunftplatz beherrscht und das Vorrecht zur Paarung hat
  • Kahlwild – Weibliches Rotwild (Hirschkühe) und Kälber – alles ohne Geweih
  • Feistzeit – Die Zeit vor der Brunft, in der sich Hirsche Fettreserven anlegen
  • Einstand – Der bevorzugte Aufenthaltsort des Wildes, seine Ruhezone im Wald
  • Brunftkuhle/Schüttgrube – Vom Hirsch aufgewühlte Erdkuhle, in die er uriniert und sich darin suhlt
  • Brunftmähne – Das lange Halsfell, das ältere Hirsche zu Beginn der Brunft tragen
  • Ansprechen – Wild nach Art, Geschlecht, Alter und Zustand erkennen und beurteilen

Ein erfahrener Hirschjäger beginnt schon Ende August, die Feisthirschrudel in seinem Revier zu beobachten und notiert, wo er welche Tiere sichtet. Ab Anfang September achtet er auf erste Brunftzeichen: frische Bodenverwundungen (Schüttgruben), befegte Büsche und die ersten leisen Brunftrufe in den Morgenstunden. So kann er einzelne Hirsche in ihren Einständen bestätigen – und dann vom Ansitz oder auf der Pirsch gezielt bejagen.

Hirschrufer und Locker: Das Kern-Equipment für die Brunftjagd

Wer Rotwild in der Brunft aktiv anlocken will, braucht den richtigen Rotwildlocker. Akustische Signale sind in dieser Phase besonders wirksam: Ein gut imitierter Brunftruf bringt den Platzhirsch dazu, seinen vermeintlichen Rivalen zu suchen und auf Schussdistanz zu kommen. Es gibt dabei zwei grundlegende Prinzipien.

Klassischer Hirschruf: Den Brunftruf imitieren

Der klassische Hirschruf ist das bekannteste Lockjagd-Instrument für die Schüttzeit. Dabei bläst der Jäger durch eine röhrenartige Vorrichtung aus Kunststoff oder Naturhorn und imitiert das Röhren eines brunftigen Rothirsches. Je nach Aufbau entstehen unterschiedlich tiefe Töne.

Bekannte Produkte im Überblick:

  • Hubertus Rotwildlocker Hirschruf – Ein dreiteiliger Hirschlocker mit absolutem Naturklang. Durch den dreiteiligen Aufbau entsteht ein besonders tiefer Hirschruf. Neben den Ruftönen des Rotwildes lassen sich damit auch Sauengrunzen und Elchrufe imitieren. Ein vielseitiger Allrounder für verschiedene Situationen.
  • Weisskirchen Eifelhirschruf – Ein sehr vielseitiger Locker, der sämtliche Hirschrufe nachahmen kann. Er überzeugt durch einen äußerst natürlichen Klang und ist im zweiteiligen Aufbau für ca. 99,50 € im Fachhandel (z. B. Pirscher Shop) erhältlich. Für Jäger, die Wert auf Klangtreue legen.
  • Rottumtaler Wildlocker – Hochwertige Locker, die in Handarbeit zum Großteil aus Hirschhorn und Rehgehörn hergestellt werden. Diese Naturmaterialien erzeugen einen besonders authentischen Klang – ein Qualitätsmerkmal für anspruchsvolle Jäger.

Der Preisbereich für Hirschrufer liegt je nach Marke und Ausführung zwischen ca. 25 und 100 Euro. Zu den bekannten Marken zählen neben Hubertus und Weisskirchen auch Nordik, Rottumtaler und Faulhaber.

Kälber-Klagelaut-Locker: Die Alternative in dichten Rotwildrevieren

Eine wirkungsvolle Alternative zum klassischen Brunftruf ist der Klagelaut-Locker. Der Nordik Hind (ca. 44,99 €) ist ein robuster Rotwildlocker, der besonders in Revieren mit hohen Rotwilddichten überzeugt. Er lockt nicht über den Brunftruf, sondern über den Angstschrei eines Rotwildkalbes. Auf diesen Klagelaut reagiert das Rotwildrudel sofort: Es eilt dem vermeintlichen Kalb zur Hilfe, um es vor Raubwild zu verteidigen. Der Nordik Hind funktioniert auch dort, wo der klassische Brunftruf von erfahrenen Hirschen längst ignoriert wird.

Wichtiger Anwendungstipp:

Rufen Sie niemals stärker oder mit tieferer Stimme als die Stimme des Hirsches, den Sie anlocken möchten. Sonst bekommt der echte Platzhirsch Angst und verschwindet lautlos. Er soll sich überlegen fühlen, nicht bedroht. Man stößt aus der Luftröhre einen langen oder kurzen „Öoe“-Laut hervor – das imitiert das Röhren eines brunftigen Rothirsches. Zwischen zwei bis drei Rufen sollte immer eine Pause verstreichen, damit man hören kann, ob ein Hirsch antwortet. Ältere, erfahrene Hirsche rufen deutlich seltener als junge – wer zu laut und zu tief ruft, spielt einen zu starken Rivalen und schreckt ab.

Ein weiteres Instrument ist der Sprengruf: Dieser kurze, abgehackte Ruf (klingt wie „öh-öh-öh“) ist der Siegesruf nach einem Brunftkampf. Alte Platzhirsche lassen sich manchmal besser locken, wenn man kurz den Sprengruf imitiert und dabei mit einem Stock auf einen Ast schlägt – das klingt wie ein zurückweichender Rivale.

Praxisbeispiel: Ein Jäger sitzt beim frühen Morgenlicht bei einstelligen Temperaturen am Brunftplatz. In etwa 300 Meter Entfernung röhrt ein Hirsch. Er nimmt seinen Hirschruf, bläst zwei- bis dreimal einen leisen, etwas höheren Brunftlaut hinein – er imitiert damit einen schwächeren Nebenbuhler – und wartet dann mindestens fünf Minuten. Der Platzhirsch fühlt sich überlegen, antwortet und zieht langsam auf den vermeintlichen Rivalen zu. Das Lockruf-Equipment hat seinen Zweck erfüllt.

Lockmittel und Duftstoffe als Ergänzung

Neben akustischen Lockern gibt es auch Duftstoffe, die Wild anziehen können. Buchenholzteer ist sowohl für Rotwild als auch für Schwarzwild ansprechend und kann gut in Kombination mit Salzlecksteinen eingesetzt werden. Denn für Rotwild ist das Salzlecken besonders reizvoll – Salzlecken werden vom Rotwild gerne angenommen und erhöhen die Chancen auf einen erfolgreichen Ansitz erheblich.

Im Fachhandel (z. B. OVIS, Frankonia) sind zudem Rotwild-Lockstoffe auf Basis naturidentischer Rohstoffe erhältlich. Wichtiger Hinweis: Die Rechtslage bezüglich Lockstoffen variiert je nach Bundesland. Bitte konsultieren Sie vor dem Einsatz immer Ihre zuständige Jagdbehörde.

Die richtige Optik für die Brunftjagd: Fernglas, Spektiv und Wärmebildkamera

Gute Optik ist bei der Brunftjagd auf Rotwild unverzichtbar – und das aus gutem Grund: Die Brunft findet vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung sowie in der Nacht statt. Wer Wild in dieser Phase nicht sehen, erkennen und richtig ansprechen kann, hat schon verloren – noch bevor er den ersten Ruf gehört hat.

Fernglas: Der Standard für jeden Jäger

Ein hochwertiges Fernglas gehört zur Grundausrüstung. Für die Brunftjagd empfehlen sich besonders lichtstarke Modelle, die auch in der Dämmerung noch ein helles, kontrastreiches Bild liefern. Bewährte Spezifikationen sind:

  • 8×56: Hohe Lichtstärke durch das große Objektiv (56 mm) – ideal für die Dämmerung
  • 10×42 mit integriertem Entfernungsmesser: Etwas kompakter, mit Messfunktion für eine präzise Schussabgabe

Bekannte Marken im Jagdbereich sind Swarovski, Zeiss, Leica, Blaser und Steiner. Bei der Pirsch sollte man die Ausrüstung auf das Wesentliche beschränken: Waffe mit Pirschstock, Wärmebildkamera, Fernglas mit Entfernungsmesser und Waidmesser.

Wärmebildkamera: Revolutionäre Unterstützung bei Nacht und Nebel

Das Rudel Rotwild, das am Waldrand Richtung Wiese zieht, während der Jäger am Hochsitz sitzt und nichts davon mitbekommt – genau das verhindert eine Wärmebildkamera (WBK). Ein kurzer Blick durch das Gerät verschafft in Sekunden einen Überblick darüber, was im Revier los ist. Wärmebildkameras machen die Wärmestrahlung von Lebewesen sichtbar und zeigen Wildtiere als helle Silhouetten – auch bei völliger Dunkelheit oder dichtem Nebel.

In den letzten Jahren sind die Preise für Wärmebildkameras stark gefallen:

  • Einsteigermodelle (Handgerät): ab ca. 300 €
  • Mittlere Preisklasse: ca. 1.000–3.000 €
  • Profigeräte: bis über 6.000 €

Bekannte Hersteller im Jagdbereich sind unter anderem Hikmicro, Pulsar und Leupold. Einen ausführlichen Vergleich der führenden Modelle finden Sie in unserem Artikel Wärmebildkamera Jagd: Pulsar vs HIKmicro vs Liemke.

Wichtiger Hinweis:

Die Wärmebildtechnik dient ausschließlich dazu, Wild zu erkennen und zu orten. Das eigentliche Ansprechen – also das Bestimmen von Art, Geschlecht, Alter und Zustand des Tieres – muss über Fernglas, Spektiv oder unmittelbar vor dem Schuss durch das Zielfernrohr erfolgen. Außerdem ist die Nutzung eines Wärmebildvorsatzgeräts (direkt auf dem Zielfernrohr montiert) nicht in allen Bundesländern erlaubt. Prüfen Sie die geltende Rechtslage in Ihrem Bundesland.

Spektiv: Für das genaue Ansprechen auf Distanz

Das Spektiv ist ein Fernrohr mit hoher Vergrößerung (typischerweise 18–45x), das auf einem Stativ montiert wird. Es ist das Instrument der Wahl, wenn Hirsche auf große Entfernungen von 300 bis 500 Metern oder mehr genau beurteilt werden müssen. Besonders beliebt ist das Spektiv beim Ansprechen zur Brunft: Man kann Geweihform, Körperbau und Verhalten des Tieres in aller Ruhe beurteilen, bevor man sich für eine Bejagung entscheidet. Spektive guter Qualität sind ab ca. 500 Euro erhältlich, hochwertige Modelle kosten bis zu 3.000 Euro.

Der Ansitz bei gutem Wind bietet dabei nicht nur einen besseren Überblick – er gibt dem Jäger auch mehr Zeit zum sorgfältigen Ansprechen. Gute Optik und ruhiges Beobachten sind dabei zwei Seiten derselben Medaille.

Tarnbekleidung und Jagdkleidung für die Schüttzeit

Bei der Pirsch in der Brunft ist größte Vorsicht geboten. Das Kahlwild ist trotz der allgemeinen Brunftstimmung sehr wachsam und bemerkt einen unvorsichtigen Jäger schnell. Rotwild ist ein klassischer Bewegungsseher – es reagiert auf jede unerwartete Bewegung. Doch das bedeutet nicht, dass man sicher ist, solange man stillsteht: Ungedeckt oder mit vielen offenen Körperpartien wird das Rotwild den Jäger auch im Stand wahrnehmen und eräugen. Ein guter Tarnanzug verwischt die menschliche Kontur und macht den Jäger deutlich schwerer erkennbar.

Die drei wichtigsten Anforderungen an Brunft-Jagdbekleidung

1. Geräuschlosigkeit
Bei der Auswahl der richtigen Bekleidung steht die Geräuschlosigkeit des Materials an erster Stelle. Hartschalige Jacken aus Nylon oder ähnlichem Material rascheln bei jeder Bewegung laut – das Rotwild vernimmt den Jäger sofort. Softshell- oder Fleece-Materialien hingegen sind deutlich leiser und eignen sich daher hervorragend für die Pirsch und den Ansitz.

2. Tarnung
Tarnbekleidung in guten Tarnmustern ist für Pirsch, Ansitzjagd und die Hirschbrunft unverzichtbar. Handschuhe und Gesichtsmaske sind ebenfalls wichtig, da Hände und Gesicht hell leuchten und das Wild sofort aufmerksam machen. Wer seinen Körper vollständig in Tarnmuster kleidet, wird selbst bei vorsichtiger Bewegung vom Rotwild deutlich schwerer erkannt. Einen umfassenden Überblick über passende Modelle bietet unser Artikel zur Jagdjacke Herren: Wasserdicht & Atmungsaktiv.

3. Wärme
Die Brunft erreicht ihre höchste Intensität in kalten September- und Oktobernächten. Wer mehrere Stunden bewegungslos auf dem Hochsitz sitzt oder langsam pirscht, muss warm bleiben – sonst leidet die Konzentration. Bewährt hat sich das Schichtprinzip:

  • Erste Schicht: Merino-Unterwäsche (reguliert Feuchtigkeit, wärmt auch wenn nass)
  • Zweite Schicht: Fleece-Pullover oder -Jacke (isoliert und transportiert Feuchtigkeit)
  • Außenschicht: Geräuschlose Softshell-Jacke in Tarnmuster (winddicht, wasserabweisend)

Praxisbeispiel: Bei einem morgendlichen Ansitz im Oktober bei 3 °C und Nebel bewährt sich folgendes Setup: Merino-Unterwäsche, Fleece-Pullover, geräuschlose Softshell-Jacke im Tarnmuster. Dazu Fäustlinge, bei denen man zum Schuss die Finger freilegen kann, ein Gesichtsschleier und feste, aber leise Trekkingstiefel mit steifer, griffiger Sohle. Mit dieser Ausrüstung bleibt man warm, leise und unsichtbar – drei entscheidende Voraussetzungen für einen erfolgreichen Ansitz auf Rotwild in der Schüttzeit.

Aktuelle Jagdzeiten für Rotwild 2026 und rechtliche Neuerungen

Die Rotwildbrunft fällt in die offene Jagdzeit – Jäger dürfen Rotwild also während der Schüttzeit legal bejagen. Hier eine übersichtliche Tabelle der aktuellen Jagdzeiten:

WildartBundeslandJagdzeit vonJagdzeit bis
Rotwild (Hirsche, Alttiere)Bundesweit (§2 BJagdZVO)01.08.31.01.
Rotwild (Kälber)Bundesweit01.08.28./29.02.
Rotwild (Hirsche, Alttiere)Hamburg01.08.31.01.
Rotwild (Kälber)Hamburg01.08.29.02.
Rehwild (Böcke)Bundesweit01.05.15.10.
Rehwild (Böcke)Bayern (ab 04/2026)16.04.15.10.

Stand: März 2026 – Jagdzeiten können sich durch Landesverordnungen ändern. Prüfen Sie die aktuellen Regelungen bei Ihrer zuständigen Unteren Jagdbehörde.

Wichtige Jagdrechtsänderungen ab April 2026

Ab April 2026 treten mehrere Änderungen im Jagdrecht in Kraft, die Jäger kennen sollten. Einen vollständigen Überblick über alle relevanten Neuerungen bietet unser Artikel Waffenrecht 2026: Alle Änderungen für Jäger:

  • Wolf ins Bundesjagdgesetz: Problemwölfe sind künftig ganzjährig entnahmefähig. Bei günstigem Erhaltungszustand gilt eine reguläre Jagdzeit vom 1. Juli bis 31. Oktober.
  • Hessen: Fuchs, Waschbär und Nutria sind nun ganzjährig jagdbar. Die Jagdzeit auf Dachs wurde verlängert.
  • Bayern: Die Rehbock-Jagdzeit beginnt ab April 2026 bereits am 16. April statt wie bisher am 1. Mai.

Timing-Empfehlung für die Brunftjagd

Die Rotwildbrunft findet von Mitte September bis Anfang Oktober statt. Die besten Zeitfenster für die Jagd sind die Morgen- und Abenddämmerung. Kalte, sternklare Nächte bürgen für besonders hohe Brunftaktivität. Mit der Vorbereitung sollte man bereits ab Mitte August beginnen: Revierkenntnis auffrischen, Brunftplätze und Suhlen kontrollieren, Equipment prüfen und Hirschrufer einüben. Vor dem ersten Ansitz sollte man sich außerdem unbedingt über die Hegerichtlinien und Abschusskriterien des jeweiligen Rotwildgebiets im Klaren sein.

Komplette Brunft-Equipment-Checkliste: Was in die Jagdtasche gehört

Diese Checkliste können Sie direkt vor der Brunftjagd abarbeiten. Sie ist in Kategorien gegliedert, damit Sie schnell den Überblick behalten.

Kernausrüstung (unverzichtbar)

  • ☐ Jagdwaffe (Repetierbüchse in passendem Kaliber, z. B. .308 Win., 7mm Rem. Mag., .30-06 Spr.)
  • ☐ Zielfernrohr (lichtstarkes Glas, z. B. 3–12×56 für die Dämmerung)
  • ☐ Fernglas mit Entfernungsmesser (8×56 oder 10×42)
  • ☐ Pirschstock/Zielstock (für eine sichere Schussabgabe bei der Pirsch)
  • ☐ Waidmesser (zum Aufbrechen des erlegten Wildes)

Lockjagd-Equipment

  • ☐ Hirschrufer/Rotwildlocker (z. B. Hubertus Hirschruf, Weisskirchen Eifelhirschruf)
  • ☐ Optional: Kälber-Klagelaut-Locker (z. B. Nordik Hind)
  • ☐ Optional: Rotwild-Lockmittel (z. B. Buchenholzteer, Salzlecksteine)

Optik und Technik

  • ☐ Wärmebildkamera als Handgerät (zum Erkennen von Wild in der Dämmerung)
  • ☐ Spektiv mit Stativ (für die Beobachtung auf weite Entfernung)
  • ☐ Wildkamera(s) an Brunftplätzen und Suhlen (zur Vorbereitung)

Bekleidung und Tarnung

  • ☐ Tarnbekleidung in geräuschlosem Material (Softshell oder Fleece)
  • ☐ Handschuhe (Fäustlinge mit Schießfinger)
  • ☐ Gesichtsschleier oder Gesichtsmaske
  • ☐ Mütze oder Cap in Tarnmuster
  • ☐ Trekkingstiefel (leise, feste Sohle, wasserdicht)
  • ☐ Thermounterwäsche (Merino)

Sonstiges

  • ☐ Bergehilfe/Tragegurte (für den Abtransport des erlegten Wildes)
  • ☐ Taschenlampe mit Rotlicht (um Wild nicht zu stören)
  • ☐ Jagdrucksack (leise, kein raschelndes Material)
  • ☐ Abschussplan und Hegerichtlinien (vorher studieren!)
  • ☐ Gültiger Jagdschein und Waffenbesitzkarte

5 Praxis-Tipps für die erfolgreiche Brunftjagd auf Rotwild

Tipp 1: Wind ist der entscheidende Faktor

Der wichtigste Faktor bei der Brunftjagd ist und bleibt der Wind. Rotwild hat einen hervorragenden Geruchssinn und kann den Jäger bereits auf mehrere hundert Meter wittern. Je nach Windrichtung verändert Rotwild sein Verhalten beim Aus- und Einwechseln in und aus dem Einstand. Waidwerken Sie daher immer nur bei gutem Wind – also bei Augenwind, wenn der Wind dem Jäger ins Gesicht weht. Kein Hirschrufer der Welt hilft, wenn das Wild den Jäger riecht, bevor es ihn hört.

Tipp 2: Beim Lockruf immer schwächer bleiben als der echte Hirsch

Rufen Sie niemals stärker oder mit tieferer Stimme als der Hirsch, den Sie anlocken möchten – sonst bekommt er Angst und verschwindet lautlos. Ein typischer Anfängerfehler bei der Lockjagd ist es, zu laut und zu tief zu rufen. Treten Sie lieber als unterlegener Nebenbuhler auf: Der Platzhirsch will den vermeintlichen Rivalen vertreiben und zieht auf ihn zu. So nutzen Sie die Brunftstimmung clever aus, ohne das Tier zu verscheuchen.

Tipp 3: Revierkenntnis vor der Brunft aufbauen

Gehen Sie vor der Brunft mehrmals durch Ihr Revier und suchen Sie gezielt nach Hinweisen auf Brunftbetrieb: frische Schüttgruben, befegte Äste und Büsche, Suhlstellen mit frischem Schlamm. Wildkameras an Brunftplätzen und Suhlen liefern dabei wertvolle Informationen – Sie sehen, welche Hirsche im Revier sind, wie stark sie sind und wann sie aktiv sind. Durch gezielte Pirschgänge können Sie einzelne Tiere in ihren Einständen bestätigen und Ihren Abschussplan entsprechend abstimmen.

Tipp 4: Morgens jagen, abends beobachten

Es ist deutlich sinnvoller, Abschüsse am Morgen zu tätigen. Idealerweise wartet man, bis das übrige Rotwild in den Bestand eingezogen ist – so werden Störungen durch das Bergungsgeschehen minimiert. Der Abendansitz eignet sich dagegen besonders gut zur Beobachtung und zum sorgfältigen Ansprechen: Man beobachtet, welche Tiere kommen, wie sie sich verhalten und welche in Frage für den nächsten Morgen kommen könnten. So schont man das Rudel und jagt trotzdem effektiv.

Tipp 5: Ausrüstung rechtzeitig testen – vor allem den Hirschrufer

Ein alter, kapitaler Rothirsch macht sich in der Brunft nur kurz und selten mit einem Röhren bemerkbar. Junge, unerfahrene Hirsche röhren deutlich häufiger und lauter. Den richtigen Ton für den Hirschrufer lernt man am besten, indem man im Revier echten Hirschen zuhört und den Klang nachahmt. Üben Sie Ihren Locker zuhause und auf Revierausflügen vor der Brunft – wer ihn erst auf dem Hochsitz zum ersten Mal ausprobiert, wird mit Sicherheit scheitern. Das gilt auch für alle anderen Ausrüstungsgegenstände: Prüfen Sie vor der Jagd, ob alles funktioniert.

Häufige Fragen zu Schüttzeit und Brunft-Equipment

Wann genau ist die Schüttzeit beim Rotwild?

Die Schüttzeit beziehungsweise Brunft des Rotwildes findet in Mitteleuropa typischerweise von Mitte September bis Anfang oder Mitte Oktober statt und dauert etwa zwei bis vier Wochen. In tieferen Lagen beginnt sie etwas früher, im Gebirge oft erst Anfang Oktober. Der genaue Zeitpunkt hängt stark von der Witterung ab: Je kälter die Nächte, desto intensiver ist das Brunftverhalten. Die Hauptbrunft mit der höchsten Aktivität konzentriert sich meist auf die letzte Septemberwoche.

Welcher Hirschrufer ist für Anfänger geeignet?

Für Einsteiger empfiehlt sich ein zweiteiliger Hirschruf aus Kunststoff (z. B. Hubertus Hirschruf 2-teilig), da er relativ einfach zu handhaben ist und durch die verschiebbare Tube sowohl Hoch- als auch Tieftöne ermöglicht. Eine sehr gute Alternative für Anfänger ist der Nordik Hind: Er imitiert nicht den Brunftruf, sondern den Klagelaut eines Kalbes – das ist technisch einfacher und provoziert zuverlässig eine Reaktion des Rudels. Das Wichtigste: Jeden Locker ausgiebig zuhause und im Revier üben, bevor man ihn auf der Jagd einsetzt.

Darf man während der Brunft auf Rotwild jagen?

Ja, die Jagd auf Rotwild ist in den meisten Bundesländern ab dem 1. August erlaubt – Hirsche und Alttiere bis 31. Januar, Kälber bis Ende Februar. Die Brunft fällt also vollständig in die offene Jagdzeit. Allerdings gilt: Ethische Grundsätze beachten. Den Platzhirsch in der Hochbrunft zu entnehmen, stört das gesamte Brunftgeschehen erheblich. Besser geeignet sind schwache oder alte Hirsche, die dem Abschussplan entsprechen. Landesrechtliche Regelungen und die Hegerichtlinien des jeweiligen Rotwildgebiets sind zwingend zu beachten.

Brauche ich eine Wärmebildkamera für die Brunftjagd?

Eine Wärmebildkamera ist kein Muss, aber ein enormer Vorteil. Da Rotwild vor allem in der Dämmerung und in der Nacht aktiv ist, verschafft die WBK dem Jäger in kürzester Zeit einen Überblick darüber, welches Wild sich im Revier bewegt. Wichtig: Die Wärmebildkamera dient nur zur Erkennung und Beobachtung. Das eigentliche Ansprechen – also das Identifizieren von Art, Alter und Zustand des Tieres – muss über Fernglas, Spektiv oder Zielfernrohr erfolgen. Einsteigermodelle als Handgerät gibt es ab ca. 300 Euro, hochwertige Geräte kosten zwischen 1.000 und 3.000 Euro. Die Nutzung als Vorsatzgerät auf dem Zielfernrohr ist nicht in allen Bundesländern erlaubt – bitte vorab informieren.

Was kostet eine Grundausstattung an Brunft-Equipment ohne Waffe und Zielfernrohr?

Eine solide Grundausstattung lässt sich für ca. 200 bis 500 Euro zusammenstellen: Hirschrufer (ca. 25–100 €), Tarnbekleidung mit Jacke und Hose (ca. 100–250 €), Handschuhe und Gesichtsmaske (ca. 20–40 €) sowie ein Pirschstock (ca. 50–200 €). Dazu kommen optional Wärmebildkamera (ab ca. 300 €) und Spektiv (ab ca. 500 €). Ein gutes Fernglas gehört ohnehin zur Grundausrüstung jedes Jägers und muss nicht extra für die Brunft angeschafft werden – je nach Marke und Qualität sind hier Preise von 300 Euro bis weit über 2.000 Euro möglich. Einen hilfreichen Überblick über eine sinnvolle Gesamtausstattung bietet auch unser Artikel zur Jungjäger Erstausstattung unter 3000€.

Was ist der Unterschied zwischen Brunft und Blattzeit?

Brunft und Blattzeit sind zwei verschiedene Paarungszeiten bei unterschiedlichen Wildarten. Die Brunft betrifft hauptsächlich das Rotwild (Hirsche) und findet im September und Oktober statt. Die Blattzeit betrifft das Rehwild und findet im Juli und August statt. In der Blattzeit lockt der Jäger Rehböcke mit dem „Blatter“, einem Instrument, das das Fiepen einer Ricke imitiert. Bei der Brunft lockt er Rothirsche mit dem Hirschruf, der einen rivalisierenden Hirsch imitiert. Während der Brunft sind lautes Röhren und Kämpfe zwischen Hirschen typisch – während der Blattzeit steht das leise Anlocken im Vordergrund.

Welche Zeichen im Revier deuten auf eine bevorstehende Brunft hin?

Typische Brunftzeichen, auf die Sie bei Revierbegehungen achten sollten:

  • Frische Schüttgruben – mit den Vorderläufen aufgewühlte, uringetränkte Erdkuhlen an typischen Stellen
  • Intensiv befegte Büsche und Bäume – Hirsche schlagen mit dem Geweih dagegen, um ihr Revier zu markieren und die Geweihe zu reinigen
  • Tiefe, frische Fährten – der nun schwere Brunfthirsch tritt deutlich tiefer ein als im Sommer
  • Suhlstellen mit frischem Schlamm – häufig aufgesuchte Stellen, die auf intensive Brunftaktivität hinweisen
  • Moschusartiger Geruch – ein stechender, intensiver Duft an Brunftplätzen, der durch den Urin der Hirsche entsteht
  • Erste Brunftrufe in den frühen Morgenstunden – das sicherste Zeichen, dass die Hauptbrunft unmittelbar bevorsteht

Fazit – Mit dem richtigen Brunft-Equipment die Schüttzeit optimal nutzen

Die Schüttzeit ist die intensivste und faszinierendste Phase der Rotwildjagd. Von Mitte September bis Anfang Oktober findet die Rotwildbrunft statt – und wer in dieser Zeit erfolgreich sein will, braucht spezialisiertes Equipment: einen gut geübten Hirschrufer, hochwertige Optik für die Dämmerung und geräuschlose Tarnbekleidung, die Wärme und Tarnung vereint.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei in der guten Vorbereitung. Revierkenntnis aufbauen durch Pirschgänge und Wildkameras, den Hirschrufer frühzeitig üben und die Abschusskriterien und Hegerichtlinien des eigenen Rotwildgebiets genau kennen – das sind die Grundlagen, auf denen jede erfolgreiche Brunftjagd aufbaut. Gutes Equipment allein reicht nicht: Es muss vom Jäger auch sicher und situationsgerecht eingesetzt werden.

Die sinkenden Rotwild-Strecken bundesweit – auf den niedrigsten Stand seit 2011/2012 – zeigen, dass Rotwild immer schwerer zu bejagen ist. Die Tiere werden heimlicher, lernfähiger und vorsichtiger. Gutes Wissen über das Brunftverhalten kombiniert mit dem richtigen Equipment wird damit zum entscheidenden Erfolgsfaktor – und unterscheidet den durchdachten Jäger vom glücksabhängigen.

Wer die Biologie der Brunft versteht, seinen Locker beherrscht, die Optik richtig einsetzt und leise, getarnt und windrichtig vorgeht, kann das faszinierendste Naturschauspiel der heimischen Jagd nicht nur erleben – sondern auch verantwortungsvoll und erfolgreich bejagen.