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Schwarzwild bejagen: Kirrjagd-Strategien

24.04.2026

Key Takeaways ✓ Die Kirrjagd ist eine der effektivsten und störungsärmsten Methoden zur gezielten Schwarzwild-Regulierung,…

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Key Takeaways

  • Die Kirrjagd ist eine der effektivsten und störungsärmsten Methoden zur gezielten Schwarzwild-Regulierung, mit der zwischen 35 und 50 Prozent der gesamten Schwarzwildstrecke in Deutschland erzielt wird.
  • Schwarzwild kann sich unter günstigen Bedingungen mit Zuwachsraten von bis zu 300 Prozent vermehren, weshalb die Kirrjagd allein nicht zur vollständigen Bestandsregulierung ausreicht und mit Drückjagden kombiniert werden muss.
  • Die Kirrungsregelungen unterscheiden sich erheblich zwischen den Bundesländern – eine genaue Prüfung der lokalen Jagdgesetze ist vor dem Anlegen einer Kirrung unerlässlich.
  • Eine erfolgreiche Kirrung erfordert sorgfältige Standortwahl in der Nähe von Wildwechseln, regelmäßige Beschickung mit maximal 1 Liter Futter pro Tag und selektive Bejagung von Frischlingen und Überläufern statt der wertvollen Leitbachen.
  • Moderne Wildkameras mit Sendefunktion ermöglichen eine zielgerichtete Ansitzplanung und erhebliche Zeitersparnis, indem sie dem Jäger exakte Informationen über den Kirrungsbetrieb liefern.
  • Die beste Zeit für die Kirrjagd liegt zwischen Oktober und April, wenn natürliche Nahrung knapp ist und die Sauen Kirrungen deutlich besser annehmen.

Kirrjagd auf Schwarzwild: Strategien für eine erfolgreiche Bejagung

Die Schwarzwildbestände in Deutschland erfordern eine konsequente Bejagung – und die Kirrjagd ist dabei das wichtigste Werkzeug im Werkzeugkasten vieler Revierinhaber. Zwischen 35 und 50 Prozent der gesamten Schwarzwildstrecke in Deutschland werden an Kirrungen erzielt. Ob die Kirrjagd jedoch zum Erfolg führt, hängt entscheidend von Standortwahl, Kirrmittel und Timing ab.

Schwarzwild kann sich unter günstigen Bedingungen mit Zuwachsraten von bis zu 300 Prozent vermehren. Die Bestände verursachen erhebliche Wildschäden in der Landwirtschaft. Gleichzeitig erschweren große, unübersichtliche Waldreviere den Zugang zu den nachtaktiven Tieren. Im Jagdjahr 2019/2020 wurde mit 882.231 erlegten Stück die höchste Jagdstrecke in den vergangenen 100 Jahren erreicht. Die Strecke schwankt seitdem stark – mit 462.220 Stück wurde im Jagdjahr 2022/23 deutlich weniger Schwarzwild erlegt als in den Vorjahren. Hinzu kommt die Afrikanische Schweinepest (ASP): Fälle bei Wildschweinen sind bisher in Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg (betroffen seit dem 08.08.2024) und Nordrhein-Westfalen (betroffen seit dem 15.06.2025) aufgetreten. Diese Entwicklung macht eine intensive Bestandsregulierung noch dringlicher.

Die Kirrjagd ist eine der effektivsten und störungsärmsten Methoden zur gezielten Schwarzwild-Regulierung – aber nur, wenn sie strategisch geplant, rechtlich korrekt und in ein revierübergreifendes Gesamtkonzept eingebettet wird. Dieser Ratgeber liefert alles, was Jäger für die erfolgreiche Kirrjagd auf Schwarzwild wissen müssen – von der Standortwahl und den zugelassenen Kirrmitteln über das optimale Timing nach Mondphasen bis hin zu den rechtlichen Grundlagen in den Bundesländern. Was genau eine Kirrung ist und warum sie bei der Schwarzwildbejagung so eine zentrale Rolle spielt, klären wir zunächst.

Was ist Kirrjagd? – Grundlagen und Bedeutung für die Schwarzwild-Bejagung

Die Kirrjagd ist eine Jagdmethode, bei der Schwarzwild mit kleinen Mengen artgerechtem Futter – dem sogenannten Kirrgut – an einen festen Platz im Wald gelockt wird. Der Jäger sitzt dabei auf einem erhöhten Sitz, dem Hochsitz oder der Kanzel, und wartet, bis die Wildschweine zum Fressen erscheinen. Ein wichtiger Unterschied zur Fütterung: Die Kirrung dient ausschließlich dem jagdlichen Zweck und ist in der ausgebrachten Menge streng begrenzt. In der Regel darf pro Kirrung und Tag maximal 1 Kilogramm beziehungsweise 1 Liter Futter ausgebracht werden.

Warum ist die Kirrung beim Schwarzwild so wichtig?

Wildschweine sind vor allem nachtaktiv und leben in dichten Wäldern, wo man sie tagsüber kaum zu Gesicht bekommt. Eine gut angelegte Kirrung lockt die Rotte an eine übersichtliche Stelle, an der der Jäger die Tiere in Ruhe ansprechen – also genau betrachten und identifizieren – kann. So ist eine gezielte, selektive Bejagung möglich: Der Jäger kann gezielt Frischlinge und Überläufer auswählen und gleichzeitig die Leitbache schonen, die für die Sozialstruktur der Rotte entscheidend ist.

Die Zahlen belegen die Bedeutung dieser Jagdmethode eindrucksvoll: Laut DJV-Daten werden bundesweit zwischen 35 und 50 Prozent der gesamten Schwarzwildstrecke an Kirrungen erzielt. In Baden-Württemberg werden sogar rund zwei Drittel der Strecke bei der Ansitzjagd – überwiegend an Kirrungen – erzielt. Nur etwa 30 Prozent entfallen auf Bewegungsjagden, also auf Drückjagden, bei denen Treiber und Hunde das Wild auf die Schützen zutreiben. Die Kirrjagd auf Schwarzwild hat sich als effektive und störungsarme Jagdart bewährt und muss deshalb ganzjährig möglich sein.

Die wichtigsten Fachbegriffe erklärt

Wer mit der Kirrjagd beginnt, begegnet einer Reihe von Fachbegriffen aus der Jägersprache. Hier sind die wichtigsten kurz erklärt:

  • Kirrung: Eine kleine Menge artgerechtes Futter (z. B. Mais), die an einem festen Platz im Wald ausgebracht wird, um Wildtiere zum Zweck der Bejagung anzulocken. Nicht zu verwechseln mit einer Fütterung, die Wild ganzjährig ernähren soll.
  • Ansitzjagd: Der Jäger sitzt erhöht auf einem Hochsitz und wartet auf Wild, das vorbeizieht oder zur Kirrung kommt. Im Gegensatz zur Pirsch, bei der der Jäger sich aktiv anschleicht.
  • Schwarzwild: Jägersprache für Wildschweine aller Altersklassen.
  • Rotte: Der Familienverband von Wildschweinen, bestehend aus einer oder mehreren Bachen mit ihrem Nachwuchs.
  • Leitbache: Die älteste und erfahrenste Bache in einer Rotte. Sie bestimmt die Wanderungen und das Rauschverhalten – also das Paarungsverhalten – der gesamten Gruppe. Ihr Abschuss kann die Sozialstruktur der Rotte empfindlich stören und sollte deshalb vermieden werden.
  • Frischling: Ein junges Wildschwein im ersten Lebensjahr. In den ersten Monaten noch am gestreiften Fell erkennbar, danach rotbraun gefärbt.
  • Überläufer: Ein Wildschwein im zweiten Lebensjahr. Junge Keiler, die die Rotte verlassen und allein umherstreifen, werden als Überläuferkeiler bezeichnet.
  • Drückjagd: Eine Gemeinschaftsjagd, bei der Treiber und Hunde das Wild aus seinen Einständen bewegen und auf Schützenlinien zutreiben.

Praxisbeispiel: Ein Jagdpächter in einem 500 Hektar großen Waldrevier mit hohem Schwarzwildbestand richtet gemäß seiner Landesregelung fünf Kirrungen im Wald ein. An jeder legt er maximal 1 Liter Mais pro Tag aus. So kann er die Rotten über Wildkameras beobachten, ihren Rhythmus kennenlernen und gezielt Frischlinge sowie Überläufer erlegen – ohne die Leitbachen zu gefährden.

Gesetzliche Grundlagen – Was bei der Kirrjagd auf Schwarzwild erlaubt ist

Die Regelung der Kirrjagd in Deutschland ist komplex. Das Bundesjagdgesetz (BJagdG) gibt nur den Rahmen vor – die konkreten Kirrungsregelungen werden durch die Landesjagdgesetze bestimmt. Diese unterscheiden sich zum Teil erheblich. Wer eine Kirrung anlegen möchte, muss deshalb sowohl die bundesrechtlichen Grundlagen als auch die spezifischen Vorschriften seines Bundeslandes kennen.

Hinweis (Stand: März 2026): Die Kirrungsregelungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland erheblich und können sich kurzfristig ändern. Informieren Sie sich vor dem Anlegen einer Kirrung immer bei Ihrer zuständigen unteren Jagdbehörde. Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.

Das Bundesjagdgesetz als Rahmen

Das Bundesjagdgesetz enthält einige wichtige Grundregeln für die Schwarzwildbejagung:

  • Ganzjährige Jagdzeit auf Schwarzwild: Auf Wildschweine darf die Jagd das ganze Jahr ausgeübt werden. Eine geänderte Bundesjagdzeitenverordnung wurde am 13. März 2018 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und enthält seitdem eine ganzjährige Jagdzeit für sämtliches Schwarzwild.
  • Elterntierschutz (§ 22 Abs. 4 BJagdG): In den Setz- und Brutzeiten dürfen bis zum Selbständigwerden der Jungtiere die für die Aufzucht notwendigen Elterntiere nicht bejagt werden. In der Praxis bedeutet das: Führende Bachen, die Frischlinge bei sich haben, dürfen nicht erlegt werden.
  • Nachtjagdverbot (§ 19 Abs. 1 Nr. 5a BJagdG): Grundsätzlich ist der Einsatz künstlicher Lichtquellen und Nachtzielgeräte verboten. Die Bundesländer haben dieses Verbot für die Schwarzwildjagd jedoch weitgehend aufgehoben. In 13 Bundesländern ist die Montage eines Nachtsicht-Vorsatzgeräts auf das Zielfernrohr bei der Jagd auf Schwarzwild bereits zulässig. Nur in Bremen und Hamburg ist dies derzeit nicht erlaubt. Fest montierte Nachtzielgeräte sind bislang nicht umfasst – eine Bundesratsinitiative aus Hessen (Mai 2025) möchte dies ändern, befindet sich aber noch in der Beratung.

Bundesrecht vs. Landesrecht

Das Bundesjagdgesetz erlaubt die ganzjährige Bejagung von Schwarzwild und regelt den Elterntierschutz. Alles Weitere – wie viel Futter, welches Kirrmittel, wie viele Kirrungen pro Fläche, wo sie liegen dürfen, ob sie angemeldet werden müssen – bestimmen die Bundesländer. Seit der Föderalismusreform 2006 können die Länder in einem deutlich größeren Umfang als zuvor vom Bundesjagdgesetz abweichen. Ausgenommen ist lediglich das Recht der Jagdscheine. Im Verhältnis zwischen Bundes- und Landesregelung gilt das jeweils neuere Gesetz.

Die ASP hat in vielen Bundesländern zu verschärften, aber auch zu erweiterten Regelungen geführt – darunter die Ausweitung der erlaubten Kirrungsmöglichkeiten, um die Bejagung zu intensivieren.

Unterschiede nach Bundesland – Übersicht der wichtigsten Kirrungsregelungen

Die folgende Tabelle zeigt ausgewählte Regelungen in vier Bundesländern. Wichtig: Diese Übersicht gibt den Stand der Recherche wieder. Prüfen Sie die tagesaktuelle Fassung immer bei Ihrer zuständigen Jagdbehörde.

Aspekt NRW Bayern Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg
Erlaubte Kirrmittel Ausschließlich Getreide einschließlich Mais Artgerechtes Kirrfutter (Mais, Getreide) Ausschließlich Getreide einschließlich Mais in unveränderter Form Mais, Getreide
Max. Menge je Kirrung Nicht mehr als 1 Liter je Kirrstelle und Tag 1 kg artgerechtes Kirrfutter pro Tag Nicht mehr als 1 Liter Kirrmittel pro Tag 1 Liter pro Tag
Anzahl Kirrungen Nicht mehr als eine Kirrstelle je angefangene 100 ha 1 Kirrung pro 100 ha Waldfläche Für die ersten 150 ha nicht mehr als zwei Kirrstellen; je weitere 150 ha nicht mehr als eine Je angefangene 50 ha Waldfläche eine Kirrung, mindestens 5 je Jagdbezirk
Ausbringung Von Hand, in den Boden eingebracht oder abgedeckt Eingraben oder in Behältern Von Hand, eingebracht oder abgedeckt Im Wald
Meldepflicht Vorher bei unterer Jagdbehörde anzuzeigen mit Lageplan Keine generelle Meldepflicht Genehmigung der unteren Jagdbehörde erforderlich Empfohlen
Nachtzielgeräte erlaubt Ja (Vorsatzgeräte, bis 100 m) Ja (mit Erlaubnis) Ja Nachtsichtaufsatz- und Vorsatzgeräte zulässig

Was du brauchst – Materialien und Ausrüstung für die Kirrjagd

Wer eine Kirrung anlegen möchte, braucht nicht viel – aber das Richtige. Die folgende Übersicht zeigt, welche Kirrmittel und welche Ausrüstung sich in der Praxis bewährt haben.

Kirrmittel – was darf in die Kirrung?

  • Körnermais: Das Standard-Kirrmittel Nr. 1 für die Kirrjagd auf Schwarzwild. Mais ist günstig, gut lagerbar und einfach zu dosieren. Er lässt sich in großen Tonnen trocken aufbewahren. Preis: ca. 15–25 Euro je 25-kg-Sack im Raiffeisen-Markt oder Landhandel. Alternativ lohnt es sich, bei örtlichen Landwirten nachzufragen.
  • Weitere zugelassene Kirrmittel: Je nach Bundesland sind neben Mais und Getreide auch heimische Futtermittel wie Kartoffeln, Bucheckern, Eicheln, Walnüsse, Haselnüsse, Esskastanien und Fallobst zulässig.
  • Lockmittel – Buchenholzteer: Das klassische Lockmittel für Schwarzwild. Er wird in Schulterhöhe des Wildschweins an einen sogenannten Malbaum aufgetragen. Wildschweine nutzen die mit Holzteer bestrichenen Malbäume zur Desinfektion ihrer Haut gegen Parasitenbefall – und werden so auch aus größerer Entfernung an den Kirrplatz geführt. Preis: ca. 15–30 Euro je 5 Liter, erhältlich bei Jagdausstattern wie Frankonia, Jagd1 oder Kieferle.

Ausrüstung für die Kirrjagd

  • Kirreisen: Eine Eisenstange zum Bohren von Kirrlöchern im Boden. Mit einer Länge von etwa 120 cm ermöglicht das Kirreisen das schnelle Anlegen von bis zu 25 cm tiefen Löchern, in die das Kirrgut eingebracht wird. Preis: ca. 40 Euro, z. B. bei Frankonia.
  • Kirrkiste oder Baumscheibe: Selbstgebaute Behälter aus Holz schützen das Kirrgut vor Regen und Vögeln. Wichtig ist ein stabiler Deckel, damit das Kirrmittel trocken bleibt und nicht schimmelt. Ein schwerer Stein auf dem Deckel sorgt dafür, dass nur Sauen ihn anheben können.
  • Wildkamera mit Sendefunktion: Kirrungen werden sehr oft mit Fotofallen versehen, um dem Jäger einen genauen Überblick über den Betrieb an der Kirrung zu ermöglichen. Moderne Modelle senden Bilder direkt aufs Smartphone – so wissen Sie genau, wann die Sauen erscheinen, und können den Ansitz gezielt planen. Preis: ca. 80–300 Euro je nach Modell.
  • Hochsitz oder Kanzel: Der Ansitzplatz sollte winterfest und bequem sein. Wichtig: Die Kirrung sollte in etwa 50 Metern Entfernung zum Hochsitz angelegt werden. Viele Jäger kirren viel zu nah und machen sich dadurch das Leben unnötig schwer.

Aufwand und Kosten im Überblick

Die Gewöhnung des Schwarzwildes an eine neue Kirrung dauert mehrere Wochen bis Monate. Die Kirrung muss täglich oder mindestens alle zwei bis drei Tage beschickt werden. Die besten Bedingungen herrschen in den Monaten Oktober bis April, wenn natürliche Nahrung wie Eicheln und Bucheckern knapp wird. In Nadelwäldern und bei Nahrungsknappheit im Winter ist die Annahme in der Regel deutlich besser als in nahrungsreichen Laub-Mischwäldern.

Die Gesamtkosten für eine einfache Kirrung mit Wildkamera und Kirrmaterial belaufen sich auf ca. 150–400 Euro einmalig plus ca. 20–40 Euro monatlich für das Kirrmittel.

Schritt-für-Schritt – Kirrung anlegen und erfolgreich bejagen

Eine erfolgreiche Kirrjagd auf Schwarzwild beginnt lange vor dem ersten Ansitz. Die folgende Anleitung führt Sie durch alle drei entscheidenden Schritte – von der Standortwahl bis zum selektiven Schuss.

Schritt 1: Den richtigen Standort für die Kirrung finden

Bevor die erste Kirrung angelegt wird, muss das Revier über mehrere Wochen beobachtet werden. Für eine erfolgreiche Kirrjagd sind die Kenntnis der Einstände, der Wildwechsel und der Fraßplätze zu den verschiedenen Jahreszeiten unbedingt notwendig. Wildwechsel – also regelmäßig benutzte Pfade des Schwarzwildes – erkennt man an Fährten, Spuren und aufgewühltem Boden.

Worauf bei der Standortwahl zu achten ist:

  • Die Kirrung nicht mitten im Einstand anlegen – also nicht im Kernbereich des Ruheplat­zes der Sauen. Sie soll so platziert werden, dass die Rotte sich auf dem Weg zur Kirrung etwas verteilt und einzelne Stücke in Ruhe angesprochen werden können.
  • Für die Standortwahl lohnt eine nächtliche Begehung des Reviers: Suchen Sie nach Plätzen, an denen auch bei bewölktem Himmel ausreichend Büchsenlicht vorhanden ist. Geeignet sind Altgrasflächen, nicht mehr genutzte Forstwege mit hellem Untergrund oder abgeerntete Felder.
  • Zwei Kirrungen in den Hauptwindrichtungen anlegen, die je nach Wetterverhältnissen besetzt werden können. Im Bereich verschiedener Waldhöhen und Bestände wechseln die Windrichtungen häufig.
  • Der Hochsitz muss so stehen, dass der Jäger bei der vorherrschenden Windrichtung im guten Wind sitzt – der Wind muss vom Wild weg zum Jäger wehen, nicht umgekehrt. Sonst wittert das Schwarzwild den Menschen und meidet die Kirrung.
  • Wichtig: In einigen Bundesländern sind Schwarzwildkirrungen ausschließlich im Wald zulässig. Prüfen Sie die Regelung Ihres Bundeslandes.

Häufiger Fehler: Zu viele Störungen bei der Beschickung. Wer die Kirrung zu oft und zu laut aufsucht, vergrämt die Sauen. Das Auto sollte beim Kirren immer an derselben Stelle abgestellt werden und der Motor dabei weiterlaufen. Das Wild kann den Jäger so stets einordnen und wird nicht überrascht.

Zeitaufwand für diesen Schritt: 2–4 Wochen Beobachtung vor dem Anlegen der Kirrung.

Schritt 2: Kirrmittel richtig ausbringen

Pro Kirrung darf maximal 1 Liter (ca. 1 kg) artgerechtes Futter pro Tag ausgebracht werden – das ist in den meisten Bundesländern die gesetzliche Obergrenze. Bei einer neu angelegten Kirrung sollte mit sehr kleinen Mengen begonnen werden. Erst wenn die Kirrung von den Wildschweinen angenommen wird, kann die Menge schrittweise gesteigert werden.

So wird das Kirrgut richtig ausgebracht:

  • Das Kirrgut muss für anderes Schalenwild – etwa Rehwild – unzugänglich sein. Es wird deshalb entweder leicht in den Boden eingegraben oder in abgedeckten Behältern gesichert.
  • Praktisch hat sich folgende Methode bewährt: Mit dem Kirreisen Löcher in den Boden bohren, eine Handvoll Mais einfüllen und die Grasnarbe wieder darüber legen. Alternativ können Kirrkisten oder Baumscheiben verwendet werden.
  • Das Kirrgut unbedingt in einer Linie verteilen – nicht alles auf einen Haufen! Wenn das Futter verteilt ist, stellt sich die Rotte breit auf, und der Jäger kann einzelne Stücke in Ruhe ansprechen. Bringen Sie das Kirrgut im 90-Grad-Winkel vor dem Hochsitz an.
  • Regelmäßig kirren: Täglich und wenn möglich immer zur gleichen Zeit. Wildschweine entwickeln mit der Zeit Rituale – sie gehen dieselben Wege zur gleichen Uhrzeit. Wenn möglich, sollte immer dieselbe Person die Kirrung befüllen, damit der Geruch konstant bleibt.

Optimale Mondphase für den Ansitz: Der beste Zeitpunkt ist 3–4 Tage vor dem Halbmond oder kurz nach Neumond. Bei Vollmond meiden Sauen offene Plätze – es ist ihnen zu hell, sie fühlen sich exponiert und beobachtet.

Häufiger Fehler: Überfütterung. Wer zu viel Futter ausbringt, betreibt faktisch eine verbotene Ganzjahresfütterung, fördert die Vermehrung und verstößt gegen das Hegeziel.

Zeitaufwand für diesen Schritt: Ca. 15–30 Minuten pro Kirrfahrt als tägliche Routine.

Schritt 3: Ansitz und selektive Bejagung

Der Jäger sitzt am Abend oder in der Nacht auf dem Hochsitz in der Nähe der Kirrung und wartet. Erscheint Schwarzwild, beginnt die eigentliche Arbeit – das ruhige Ansprechen und die selektive Bejagung.

Drei Grundregeln für den Ansitz:

  1. Ruhig ansprechen: Die Stücke einzeln identifizieren. Handelt es sich um einen Frischling, einen Überläufer, eine Bache oder einen Keiler?
  2. Selektiv schießen: Primär Frischlinge und Überläufer erlegen – sie machen den größten Teil der Population aus und ihr Abschuss reguliert den Bestand am effektivsten. Die Leitbache sollte möglichst verschont werden, da ihr Verlust die Sozialstruktur der Rotte zerstört und unkontrolliertes Rauschen der übrigen Bachen auslösen kann.
  3. Konsequent bejagen: Jede Kirrung regelmäßig besetzen. Eine Kirrung kann auch „tot gesessen“ werden – sitzt man zu oft erfolglos, werden die Sauen diesen Platz zunehmend meiden.

Worauf beim Ansitz geachtet werden muss:

  • Windrichtung immer prüfen. Nur ansitzen, wenn der Wind vom Wild weg zum Jäger weht.
  • Bei der Jagd in der Dunkelheit gegebenenfalls ein Nachtsicht-Vorsatzgerät nutzen (je nach Bundesland erlaubt, siehe rechtlicher Abschnitt oben).
  • Niemals vom Auto aus schießen oder anhalten, wenn bei der Kirrfahrt Wild in Anblick kommt. Verbindet das Schwarzwild auch nur einmal die Situation Auto – Mensch – Gefahr, werden die Kirrungen über lange Zeit gemieden.

Häufiger Fehler: Fehlende revierübergreifende Zusammenarbeit. Wer allein in seinem Revier kirrt, während die Nachbarreviere nichts unternehmen, schiebt das Schwarzwild nur hin und her – eine effektive Bestandsregulierung ist so nicht möglich.

Zeitaufwand für diesen Schritt: Ein einzelner Ansitz dauert in der Regel 3–6 Stunden, vom Abend bis nach Mitternacht. Mit ersten Erfolgen ist nach mehreren Ansitzen zu rechnen.

Häufige Fehler bei der Kirrjagd – und wie du sie vermeidest

Selbst erfahrene Jäger machen bei der Kirrjagd auf Schwarzwild immer wieder die gleichen Fehler. Die folgende Übersicht zeigt die häufigsten Probleme und wie man sie von Anfang an vermeidet.

Fehler 1: Kirrung zu nah am Hochsitz

Das Problem: Je näher die Kirrung vor dem Hochsitz liegt, desto spitzer wird der Schusswinkel nach unten. Bei niedrigen Ansitzeinrichtungen steigt außerdem die Gefahr, von misstrauischen Sauen eräugt oder gewittert zu werden.

Die Lösung: Die Kirrung ca. 50–80 Meter vom Hochsitz entfernt anlegen. Das gibt ausreichend Platz für einen sicheren Schusswinkel und hält die Sauen auf Distanz zum Jäger.

Fehler 2: Zu viel Kirrgut auf einen Haufen

Das Problem: Wird das Kirrmittel auf einem einzigen Haufen ausgebracht, drängt sich die gesamte Rotte zusammen. Die Stücke stehen nicht breit, und der Jäger kann keine einzelnen Tiere ansprechen – ein waidgerechter Schuss ist kaum möglich.

Die Lösung: Das Kirrgut auf einer Linie verteilen – einzelne Löcher im Abstand von etwa 2 Metern. Das Futter im 90-Grad-Winkel vor dem Hochsitz ausbringen, damit die Sauen nebeneinander stehen und gut angesprochen werden können.

Fehler 3: Kirrung nur als Einzelmaßnahme

Das Problem: Bei Zuwachsraten von bis zu 300 Prozent reicht die Kirrjagd allein nicht zur Bestandsregulierung aus. Wer nur am Hochsitz ansitzt und keine Drückjagden organisiert, wird den Schwarzwildbestand nicht in den Griff bekommen.

Die Lösung: Die Kirrjagd als Ergänzung zu revierübergreifenden Drückjagden einsetzen. Absprachen mit Nachbarrevieren treffen und gemeinsame Bewegungsjagden organisieren.

Fehler 4: Verschimmeltes oder verdorbenes Kirrgut

Das Problem: Bei schlecht angenommenen Kirrungen oder feuchtem Wetter bildet sich schnell Schimmel. Verdorbenes Kirrmittel nehmen Schwarzkittel nicht an – die Kirrung verliert ihre Wirkung.

Die Lösung: Täglich frisches Kirrmittel auslegen und alte Reste entfernen. Die Kirrkiste oder Baumscheibe schützt das Futter vor Regen und verlängert die Haltbarkeit.

Fehler 5: Kirrung nicht an die Jahreszeit anpassen

Das Problem: In Mastjahren – wenn der Wald voller Eicheln und Bucheckern ist – nehmen Sauen Kirrungen kaum an, weil genügend natürliche Nahrung vorhanden ist. Im Schwarzwildring Hoher Steigerwald fallen beispielsweise bei 65 Prozent Laubwald in einem Vollmastjahr pro Hektar rund 382 Kilogramm Baummast an. Im Vergleich dazu sind die 1,8 Kilogramm Mais pro Hektar, die eine Kirrung einbringt, schlicht zu vernachlässigen.

Die Lösung: In Mastjahren die Lockwirkung durch Buchenholzteer am Malbaum erhöhen oder die Kirrungen in Nadelwaldgebiete verlagern, wo weniger natürliche Mast anfällt.

5 Praxis-Tipps für die erfolgreiche Kirrjagd auf Schwarzwild

Wer die Kirrjagd auf einem höheren Niveau betreiben möchte, profitiert von den folgenden Expertentipps aus der Praxis.

Tipp 1: Regionales Bejagungskonzept aufstellen

Die Kirrjagd entfaltet ihre volle Wirkung nur im Rahmen eines revierübergreifenden Konzepts. Stimmen Sie sich mit Nachbarrevieren, Grundeigentümern und der örtlichen Jägervereinigung ab. So verhindern Sie, dass Sauen nach einem Abschuss einfach ins Nachbarrevier abwandern und dort weiter Wildschäden verursachen. Ein gemeinsames Bejagungskonzept, das Kirrjagd und Drückjagden koordiniert, ist deutlich effektiver als das Handeln einzelner Revierinhaber.

Tipp 2: Wildkamera mit Sendefunktion nutzen

Kirrungen werden sehr oft mit Fotofallen oder sogenannten Kirrhandys versehen, um dem Jäger einen genauen Überblick über den Betrieb an der Kirrung zu ermöglichen und die Ansitzzeit gezielt zu planen. Moderne Wildkameras mit Sendefunktion übertragen Bilder direkt aufs Smartphone – so wissen Sie genau, wann die Sauen erscheinen, und müssen nicht „ins Blaue“ hinein ansitzen. Das spart Zeit und erhöht die Erfolgschancen erheblich.

Tipp 3: Ablenkungskirrung gegen Wildschäden nutzen

Legen Sie an Waldrändern gezielt Kirrungen an, um Schwarzwild von angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen – etwa Mais- oder Getreidefeldern – fernzuhalten. Eine gut platzierte Ablenkungskirrung senkt die Wildschäden und schafft gleichzeitig eine zusätzliche Bejagungsmöglichkeit. Landwirte und Pächter profitieren gleichermaßen von dieser Strategie.

Tipp 4: Kirrjagd mit Drückjagden kombinieren

Die Kirrjagd allein kann die Bestandsregulierung bei Zuwachsraten von bis zu 300 Prozent nicht leisten. Planen Sie im Herbst und Winter zusätzlich revierübergreifende Drückjagden ein. Wer sich umfassend für die Drückjagd-Ausrüstung vorbereiten möchte, findet dort eine praktische Checkliste. Ein wichtiger Vorteil: An den Kirrungen kennen Sie bereits die Rottenstrukturen, die Wechsel und das Verhalten der Sauen – dieses Wissen ist bei der Planung von Drückjagden Gold wert.

Tipp 5: Buchenholzteer als dauerhaften Anziehungspunkt einrichten

Buchenholzteer wird in Schulterhöhe des Wildschweins an einem geeigneten Malbaum angebracht. Das Schwarzwild wird so über größere Entfernungen an den Kirrplatz geführt. Als positiver Nebeneffekt ist der Buchenholzteer zur Parasitenbekämpfung geeignet – Wildschweine nutzen den Malbaum zur Desinfektion ihrer Haut. So schaffen Sie einen dauerhaften Anziehungspunkt, der das Wild auch dann lockt, wenn gerade kein Mais ausliegt.

Häufige Fragen zur Kirrjagd auf Schwarzwild

Reicht die Kirrjagd allein zur Bestandsregulierung von Schwarzwild?

Nein. Schwarzwild kann sich unter guten Bedingungen mit Zuwachsraten von bis zu 300 Prozent vermehren – das bedeutet: Aus einer Rotte von 10 Tieren können innerhalb eines Jahres 30 werden. Die Kirrjagd ist ein unverzichtbarer Baustein, weil sie selektive Abschüsse ermöglicht und ganzjährig einsetzbar ist. Aber allein kann sie diesen Zuwachs nicht kompensieren. Erst in Kombination mit revierübergreifenden Drückjagden im Herbst und Winter lässt sich der Bestand effektiv regulieren. Der DJV empfiehlt daher ein Gesamtkonzept aus Ansitzjagd, Kirrjagd und Bewegungsjagden.

Wann ist die beste Zeit für die Kirrjagd auf Schwarzwild?

Die Kirrjagd auf Schwarzwild ist zwar ganzjährig möglich, aber am erfolgreichsten in den Monaten Oktober bis April. In dieser Zeit ist die natürliche Nahrung im Wald – Eicheln, Bucheckern, Insektenlarven – knapp. Die Sauen nehmen Kirrungen in dieser Periode deutlich besser an. Besonders bei Schneelagen und starkem Frost steigt die Annahme deutlich. Das optimale Timing für den Ansitz liegt 3–4 Tage vor dem Halbmond oder kurz nach Neumond. Bei Vollmond meiden Sauen offene Plätze, weil sie sich zu exponiert fühlen. Im Sommer, bei reichlich Nahrung und langen Nächten, ist die Kirrjagd deutlich schwieriger.

Wie viel Futter darf ich bei einer Kirrung ausbringen?

In den meisten Bundesländern sind maximal 1 Liter (ca. 1 Kilogramm) Kirrmittel pro Kirrung und Tag erlaubt. Diese Begrenzung soll sicherstellen, dass die Kirrung nicht den Charakter einer Fütterung annimmt. In einzelnen Bundesländern können die Regelungen leicht abweichen. Maßgeblich ist immer das jeweilige Landesjagdgesetz beziehungsweise die Kirrungsverordnung Ihres Bundeslandes. Grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr – zu viel Futter fördert die Vermehrung des Schwarzwildes und verstößt gegen das Hegeziel.

Welche Kirrmittel sind für Schwarzwild zugelassen?

In den meisten Bundesländern ist ausschließlich Getreide einschließlich Mais als Kirrmittel zugelassen. Mais ist das Standard-Kirrmittel, weil er günstig, gut lagerbar und einfach zu dosieren ist. Ergänzend können je nach Landesrecht auch Kartoffeln, Eicheln, Kastanien oder Fallobst verwendet werden. Wichtig: Das Kirrgut muss so ausgebracht werden, dass anderes Schalenwild – etwa Rehwild – keinen Zugang hat. Es sollte deshalb in den Boden eingegraben oder in abgedeckten Behältern gesichert werden. Als Lockmittel am Malbaum ist Buchenholzteer ein bewährtes und weit verbreitetes Hilfsmittel. Wer zusätzlich die passende Jagdmunition für Schwarzwild sucht, findet dort einen ausführlichen Kaliber-Vergleich.

Wo sollte ich eine Kirrung anlegen?

Die Kirrung sollte in der Nähe bekannter Wildwechsel und Einstände von Schwarzwild angelegt werden – aber nicht mitten im Kernbereich des Ruheplat­zes der Sauen. Ideal sind ruhige, windgeschützte Plätze im Wald, an denen ausreichend Büchsenlicht vorhanden ist und die Rotte auf dem Weg zur Kirrung etwas auseinanderläuft. Der Hochsitz sollte so positioniert sein, dass der Jäger bei der vorherrschenden Windrichtung im guten Wind sitzt – also der Wind vom Wild weg zu ihm weht. In einigen Bundesländern sind Schwarzwildkirrungen ausschließlich im Wald zugelassen. Prüfen Sie die Regelung Ihres Bundeslandes, bevor Sie eine Kirrung anlegen.